Pilze

Baustoff der Zukunft

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtige in der Übersicht:

  • Pilze bestehen hauptsächlich aus dem unterirdischen Myzel
  • Sie interagieren mit über 90 % aller Pfalzen und versorgen sie mit Nährstoffen
  • Pilze sind wichtige Destruenten und zersetzen abgestorbene Pflanzen und Tiere
  • Pilze können tödliche Gifte produzieren
  • Wir stellen aus den Giften wichtige Arznei- und Industriemittel her
  • In der Zukunft werden wir aus ihnen Häuser, Verpackungsmaterialen und Textilien herstellen
  • Sie spielen eine wichtige Rolle in der Bioökonomie

 

Pilze sind mehr als Champignons

Wenn wir in unserem Alltag an Pilze denken, denken die allermeisten wohl an irgendetwas Essbares an Champignons oder Pfifferlinge oder vielleicht auch an die Back Hefe oder Bierhefe und wenn’s mal nicht so angenehm ist dann ist es meistens der Schimmelpilz.

Doch Pilze sind viel mehr, denn unglaublich viele Produkte können wir nur dank Ihnen herstellen. Die Industrie und die Medizin braucht sie. Uns ist meistens gar nicht bewusst, wo überall Pilze mit drinstecken. Pilze haben noch viele weitere wunderbare Eigenschaften und höchstwahrscheinlich werden wir in nicht allzu ferner Zukunft Verpackungsmaterialien und auch ganze Häuser aus Pilzen bauen.

Das klingt jetzt so als ob Pilze waren alles Könner sind, was tatsächlich stimmt. Wir können eine ganze Menge von Ihnen lernen. Schätzungsweise gibt es ungefähr 1,5 Millionen unterschiedliche Pilzarten und bei weitem haben wir noch nicht alle untersucht.

 

Was Pilze wirklich sind

Wenn wir von Pilzen reden, denken viele ganz automatisch an den Champignons oder an irgendeinen anderen Speisepilz, wobei es sich eigentlich nur um die Fruchtkörper handelt. Diese Fruchtkörper dienen der Verbreitung indem sie Sporen bilden, aus denen ein kompletter Pilz entsteht. Doch der Großteil von einem Pilz ist unterirdisch im Boden und gar nicht zu sehen. Im Boden befindet sich ein sehr filigranes und ganz feines „Wurzelsystem“, ähnlich wie bei einer Pflanze, nur dass der Pilz hauptsächlich aus diesem so genannten Myzel besteht.

Viele von uns wissen vielleicht noch aus der Schule, dass Pilze Sachen wieder zersetzen können. Damit sind sie unglaublich wichtig, wenn es darum geht abgestorbenen Tier- und Pflanzenteile wieder zu recyceln. Damit werden dem Boden und damit allen anderen Organismen wertvolle Inhaltsstoffe zur Verfügung gestellt, womit sich der Kreislauf der Natur schließt. Sie sind in der Lage Zellulose komplett zu zersetzen, das ist der Stoff aus dem Pflanzen bestehen. Genauer gesagt bestehen die Zellwände der Pflanzen aus Zellulose, was sie sehr stabil und robust macht.

Für uns ist die Zellulose ein Ballaststoff, den wir eigentlich gar nicht verdauen können. Das übernehmen Mikroorganismen für uns, die wir damit regelrecht füttern.

 

Zwischen dem Wunder der Symbiose und dem grausamen Parasiten

Pilze interagieren mit Pflanzen und mit anderen Organismen. Sie gehen eine so genannte Symbiose ein, was eine Art Lebensgemeinschaft ist. Die Pflanzen bekommen von dem Pilz wertvolle Elemente wie Stickstoff und Phosphor. Pflanzen können diese Stoffe in der Regel nicht ohne weiteres aus dem Boden bekommen. Im Gegenzug geben die Pflanzen den Pilzen Nahrung in Form von Glukoselösung, die jeden Tag durch die Fotosynthese produziert wird.

Tatsächlich Interagieren Pilze auf diese Weise mit circa 90 % aller Pflanzen und auch wir Menschen haben Pilze in und auf unseren Körper, meistens in einer positiven Art und Weise. Natürlich gibt es auch andere Beispiele, die in Richtung Parasitismus gehen. Das heißt, dass der Pilz hauptsächlich einen Nutzen hat und seinem Wirt schadet.

Ein prägnantes Beispiel gibt es im Reich der Tiere, die so genannten „Zombie Insekten“. Der Pilz führt sie in den sicheren Selbstmord, denn er breitet sich im Gehirn der Insekten aus und steuert sie weg von ihren Artgenossen. Am Ende stirbt das Insekt und es wachsen Fruchtkörper aus dem Kopf, damit sich der Pilz verbreiten kann.

 

Pilzgifte als Seuche und Heilmittel

Darüber hinaus haben Pilze weitere besondere Eigenschaften, viele von ihnen bilden so genannte Mikrotoxine. Diese Gifte können wir für uns nutzen und daraus beispielsweide unglaublich wertvolle Arzneistoffe herstellen, wie Immunsuppressiva oder Antibiotika. Auch eine Palette an Enzym können wir dank den Pilzen herstellen, sodass wir in der Lage sind unsere Wäsche bei 30° zu waschen. Der beliebteste Pilz ist wohl die Hefe, dank ihr können wir unser herrliches Bier und andere Alkohole  brauen.

In erster Linie sind diese Gifte allerdings schädlich. Die positiven Eigenschaften endstehen, indem die Gifte isoliert und teilweise sogar weiter verändern werden. Beispielsweise wird es modelliert und ein Antikörper drangehängt, sodass es im Körper effektiv wirken kann.

Es gibt gefährlich Gifte, die Krebs auslösen, zu Organversagen führen oder unser komplettes Immunsystem zerstört können.

Früher wurden Schimmelpilzen regelrecht gefürchtet, denn deren Gifte sind sogar hitzestabil. Das heißt, dass sie beim Braten, beim Backen oder beim Kochen nicht zerstört werden und damit immer noch stabil in unserem Essen vorkommen können. Früher gab es keine Sicherheitsmaßnahmen, die das verhindern konnten.

Gefürchtet war beispielsweise der Mutterkornpilz, welcher unser Getreide befällt.  Eine verschimmelte Ähre kann Tonnen von Mehl verseuchen, weshalb früher regelrecht Dörfer aus diesem Grund ausradiert worden. Glücklicherweise haben wir heute die ein oder anderen Mittel, um das zu verhindern.

 

Pilze als Baustoff – Eine wunderbare Zukunft

Neben dem medizinischen und industriellen Nutzen werden Pilze für die Zukunft eine immer größere Bedeutung bekommen. Wir werden sie als Baustoff nutzen.
Es klingt sehr befremdlich, denn keiner will, dass die Wände aus Pilzen bestehen. Meistens assoziieren wir das mit Schimmel.

Aus dem unterirdischen Geflecht, dem Myzel, können wir die unterschiedlichsten Produkte hergestellt. Je nachdem in welchem Nähermedium der Pilz wächst, können Verpackungsmaterialien, Textilien und sogar robuste Baustoffe endstehen. Das kann man sich so vorstellen, dass bestimmte Pilzsorten in einer klebrigen Masse, also ein Nährboden, wachsen. Das Medium hat dabei bereits eine bestimmte Form, die erreicht werden soll.  Das Positive ist, dass der Nährboden meistens aus Pflanzenreste, aus Abfall, besteht. Das kann beispielsweise Späne aus der Holzindustrie sein oder auch Ernteabfälle aus der Lebensmittelproduktion.

Je nachdem welche Zusammensetzung das Medium hat, können wir die verschiedenen Materialien herstellen.

Weltweit gibt es Forschungsprojekte und Startups, die genau daran arbeiten. Der Computerhersteller Dell hat sogar schon Verpackungsmaterialien, die auf Pilzen basieren und als Ersatz von Styropor dienen.

Auf der anderen Seite können wir damit akustische Materialien herstellen und so Häuser dämmen.

Nachdem der Pilz in der Form gewachsen ist und die gewünschte Größe erreicht hat, wird er getrocknet. Dabei muss er auf über 40°C erhitzen werden. Damit stirbt der Pilz ab, was wichtig ist. Sonst würde er bei erneuter Feuchtigkeit wieder anfangen zu wachsen und instabil werden.

Der Pilz kann vollwertig als Naturprodukt verwendet werden, aber auch weiterverarbeitet werden. Sollen zum Beispiel Ziegel oder andere robuste Materialien hergestellt werden, muss der Pilz mit einem Bio Polymer als eine Art Kleber oder Leim versiegelt werden. Das ist wichtig damit sich in dem Pilz nichts mehr einnisten kann. Da der Pilz immer noch ein Naturprodukt ist, könnten sich beispielsweise Insekten dort ansiedeln, was so verhindert wird.

 

100% recycelbar – Wichtiger Schritt in die Bioökonomie

Lediglich in einer einzigen Sache könnten die Pilze als Baustoff oder Möbel Probleme machen. Diese Pilzprodukte sind nicht unbedingt die schönsten, was den ein oder anderen stören könnte. Design und Aussehen spielen natürlich immer eine Rolle. Daran muss stand jetzt noch gearbeitet werden, weshalb einige potentielle Kunden abgeschreckt werden könnten.

Dass die Produkte nicht makellos sind und dem entsprechend „verschimmelt“ aussehen können, finde ich persönlich vollkommen in Ordnung.

Wir können aus Pilzen Häuser bauen, Kleidung oder auch Leder herstellen und damit Tier und Erdölprodukte ersetzten. Sogar die Betonindustrie könnte überflüssig werden, welche für 8 % unserer weltweiten CO2 Emissionen verantwortlich ist. 40-45 % aller Rohstoffe fliesen in den Bau von neuen Häusern, Städten und Straßen. Ein Großteil davon könnten wir gegen den Pilz austauschen oder komplett mit ihm ersetzen.

Pilze spielen eine unglaublich wichtige Rolle in der so genannten Bioökonomie oder auch recycelbaren Kreislaufwirtschaft. Nachdem ein Pilzmaterial kaputt gegangen ist oder wir es nicht mehr brauchen können, wir es einfach kompostieren. Diese Materialien sind zu 100 % wieder verwertbar, weshalb wir aus ihnen Dünger für unsere Nutzpflanzen herstellen können. Damit hätten wir etwas Großartiges geschaffen, denn zu 100 % zu recyceln haben wir heutzutage noch nicht geschafft. Unsere Werkstoffe werden bei dem Recyclingprozess oft abgewertet, es verbraucht meist sehr viel Energie und ist nicht in allen Fällen möglich. Gerade Verpackungen, die aus mehreren Plastikarten bestehen, können meistens nicht wiederverwendet werden. Im Allgemeinen haben wir noch sehr viel Potential in unseren Recyclingprozessen. Der Schritt zu eine Bioökonomie ist für unserer Gesellschaft sehr wichtig. So können wir Müll vermeiden, Ressourcen sparen und schaffen es unsere Emissionen zu senken.

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